Nicht nur seit der neu aufgeflammten Debatte rund um Greta Thunberg beschäftigt mich und meine Firma Weltweitwandern das Thema Reisen und Nachhaltigkeit. Seit der Firmengründung möchte ich und meine MitarbeiterInnen eine andere Form des Reisens als Massentourismus anbieten, eine langsamere, wertschätzende Art des Reisens durch Wanderreisen mit starker Bindung an die lokale Bevölkerung und Kultur. Soweit das Ziel und Motivationsgrundlage meiner Firma, die klar in der Firmen-DNA verwachsen ist. Doch immer wieder muss man genau hinschauen, alle Bereiche der Firma mit neuem Blick ansehen, auf die Kriterien des “UN Development Ziele für Tourismus” hin überprüfen und vieles mehr. In diesem periodischen Prozess des „Schärfens“ unserer nachhaltigen Ausrichtung sind wir nun wieder einmal eingetaucht und ich muss sagen: es ist viel Arbeit aber es macht auch total Spaß!

Wieso Spaß?“ werden sich viele Fragen, da es doch vielmals um Prozesse wie Stromrechnungen vergleichen, alternative Energiequellen vergleichen, Flugkilometer ausrechnen geht. Mir macht es aber unglaublichen Spaß weil ich diesmal einen unglaublichen Rückhalt in unserem Weltweitwandern-Team in Österreich aber auch bei unserer Weltweiten Partner spüre.
Alle brennt es unter den Nägeln MEHR zu machen. Unsere Aufgabe ist es in dem Prozess nun eher Prioritäten zu setzen, weil nicht alle Ideen und Verbesserungen sofort umgesetzt werden. Auch freue ich mich, dass wir in der Firma nun gleich zwei AnsprechpartnerInnen für Nachhaltigkeit haben: Lisa Nussmüller und Martina Handler mit starker Einbindung von mir uns unserer operativen Geschäftsführung Gudrun Gruber – denn Nachhaltigkeit muss auch immer Chefsache sein.

3 klare Statements zur Nachhaltigkeits-Diskussion von mir:

Klarere Ausrichtung: Statt nachhaltigem Reisen sprechen wir von „verantwortungsvollem Reisen“

Lange hemmte uns das Wort „Nachhaltig“ in der konkreten Umsetzung bei unseren Reiseangeboten: Um “100% nachhaltige” Reisen anzubieten, müsste man das gesamte Reiseprogramm auf den Kopf stellen, dürfte manche Orte gar nicht ansteuern und manchen Partnern würden wir die Lebensgrundlage nehmen, da sie diese Art der Reisen in ihrem Heimatland unter ganz anderen Bedingungen als bei uns, gar nicht umsetzen könnten. Und das wollen wir auf keinen Fall! Wir bieten Reisen an, damit die Reisenden ihren Horizont öffnen, damit es Kulturaustausch gibt und damit der lokale Guide einen Lebensunterhalt hat und nicht massentouristische Jeep-Reisen durch die Wüste anbieten muss. Nun hat sich bei unserem derzeitigen Nachhaltigkeitsprozess die Art geändert, wie wir über Nachhaltigkeit sprechen:  Unsere tägliche Motivation ist es, verantwortungsvolles Reisen anzubieten. Verantwortungsvolles Reisen beginnt bei uns damit, wie wir die Reise konzipieren, über die Partner wie sie die Reise durchführen und auch bei unseren Gästen, was sie bereits sind zu tun und worauf sie sich einlassen möchten. Mit diesem neuen Wording zu „verantwortungsvollem Reisen“ kann ich nun viel besser, viel konkretere Bereiche in meinem Unternehmen durchleuchten und an den Schrauben drehen um hier besser zu werden. Wichtig ist, dass Nachhaltigkeit damit nicht verschwindet, sondern als Ziel stets vor Augen ist. Nachhaltigkeit ist das Ziel, und dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung dafür übernehmen, es zu erreichen.

Nicht mehr Reisen? Blödsinn!

Wovon ich wirklich gar nichts halte in der momentanen öffentlichen Debatte ist, das Reisen aufzugeben. Nicht nur weil ich ein Reiseveranstalter bin, sondern ein überzeugter Reisender der im Reisen eine Art sieht, unsere Welt besser zu machen. Durch das Reisen weiten die Menschen ihren Horizont, lernen Verständnis für andere Kulturen und Lebensumstände, es baut Rassismus ab und ganz wichtig, schafft eine Lebensgrundlage vor Ort. Durch unsere Art der Wanderreisen profitieren unsere lokalen Guides und Partner, aber auch die nette Familienpension in Rumänien die Wanderungen in der Umgebung anbieten können, der tadschikische Apfelbauer, der unserer WanderkundInnen auf der Reise Honig verkosten lässt und  sich dabei was dazu verdient oder unser Vorzeige Lodgeprojekt in Madeira, die ihre nachhaltige Unterkunft nur bauen konnten, weil es Gäste gibt die Einfachheit als Luxus wahrnehmen und in der herrlichen Natur der Insel ihr Glück finden. Wenn man nicht reist, nimmt man unseren Partnern die Lebensgrundlage, und das führt sicherlich zu wenig nachhaltigen Konsequenzen.

Und das Öffnen des Horizonts ist etwas ganz Zentrales für mich, weil ich glaube, dass nur so unsere Gesellschaft auch ein Gefühl für „die anderen“ bekommt und man auf Reisen ein globales Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Und genau das brauchen wir für eine nachhaltigere Welt.

Also einfach reisen und nichts tun – NEIN!

Ich sage klar, Reisen ja, aber mit Maß und Ziel und verantwortungsvoll. Das heißt für mich seine Reisen gut wählen, keine Kurzurlaube sondern lieber Fernreise und das für einige Wochen und den Veranstalter gut wählen. Dabei steht für mich im Vordergrund dass die Menschen vor Ort profitieren müssen und mit dem Land und seinen Leuten gut umgegangen wird. So richten wir unsere Reisen aus. Wer dann noch seinen Flug kompensieren möchte, sehr gut. Wir arbeiten gerade daran die deutsche Kompensations-NGO atmosfair in unseren Buchungsprozess einzubinden und ich & meine Firma kompensieren unsere Dienstreisen dort.

Das war nun ein sehr persönlicher Eindruck zu dem wo wir gerade in unserem Nachhaltigkeitsprozess stehen bzw wie ich uns in der Debatte zur Nachhaltigkeit sehe. Wer genaueres wissen will was meine Firma macht, kann es hier kontinuierlich nachlesen: https://www.weltweitwandern.at/was-wir-tun/

Kommentare ( 5 )

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    lieber Christian,
    das koennte ich grad so unterschreiben und ich danke dir fuer diese Stellungnahme, die so wichtig ist.
    Dank Reisen und Touristen wie den euren, die uns in Marokko regelmaessig besuchen kommen, passieren und entstehen all so wunderbaren Dinge wie Arbeitsplaetze, Einnahmequellen, Horizont-Erweiterung und interkultureller Austausch fuer beide Seiten, Augen-oeffnen, Toleranz und Bewusstsein schaerfen…
    und natuerlich die Ermoeglichung so schoener Projekte wie dem campus vivant’e… DANKE!
    itto

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    livia landini

    Nachhaltiges Reisen….wann beginnt Weltweitwandern m den Zugreisen?
    z.b. Reisen nach Ischia etc sind leicht mit dem Zug/Schiff erreichbar. Im Katalog werden sie nur mit Flugzeug angeboten u bei Nachfrage ob man auch mit dem Zug anreisen könnte, wird man ignoriert :-(
    Ich wünsche mir, dass Zugreisen auch mit in das Programm genommen werden, nicht jeder will fliegen.
    danke, lg. L Landini

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    Lisa Nussmüller

    Liebe Frau Landini,

    vielen Dank für ihren Kommentar. Wir hatten bereits einige Reisen in unserem Angebot, bei denen man mit Zug anreisen konnte. Leider wurde dieses Angebot bisher von unseren Gästen nur selten gebucht. . Im neuen Katalog, der im Herbst 2019 erscheint, haben wir uns aber ganz klar zum Ziel gesetzt, einige unserer Nah-Ziele wieder mit Zuganreise anzubieten und das auch ganz klar als Option zur Verfügung zu stellen. Und wir hoffen sehr, dass nun die Zeit reif ist und viele unserer KundInnen sich für eine Zugreise entscheiden. Ihr Kommentar bestätigt uns auf jeden Fall darin, dass wir am richtigen Weg sind. Danke dafür!

    Dass sie das Gefühl hatten, sie wurden bei einer Anfrage nach einer Zuganreise ignoriert, tut uns sehr leid. Ganz im Gegenteil wollen wir das ja unterstützen! Wir arbeiten intensiv daran, diese Möglichkeit auszubauen und ich bin mir sicher, das nächste Mal stoßen sie bei unseren MitarbeiterInnen hier auf ganz offene und engagierte Ohren. Denn unser nachhaltiges Engagement kommt sehr stark aus dem Team heraus und wird von allen bei Weltweitwandern mitgetragen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Lisa Nussmüller vom Weltweitwandern Team

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      Karin

      Liebe Frau Nussmüller,

      es freut mich gerade sehr, dass es neue Angebote mit dem Zug reisen zu können, geben soll.
      Auch ich reise sehr gerne mit dem Zug. Freue mich schon auf den neuen Katalog im Herbst.
      Lg Karin Pogner

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    Bernd

    Reisen, verantwortungsvoll und nachhaltig. Genau diese Fragen treiben mich auch ständig um – einerseits möchte ich die Welt mit ihren Menschen, Kulturen und Schönheiten der Natur entdecken, andererseits ist der Flugverkehr zu einem selbst – zerstörerischen Massenphänomen geworden, das wir nicht mehr ignorieren können. Ich denke, innerhalb Europas ist alles per Bahn, Bus oder Fähre erreichbar und für mich ist die Reise mit diesen Verkehrsmitteln schon Teil des Abenteuers! Insofern gebe ich der Livia im post weiter vorn recht, daß sich verantwortungsvolle Reiseveranstalter dahingehend umstellen sollten, Reisen erdge-/verbunden anzubieten und die Reisenden dahingehend besonders zu unterstützen. Klar, die An-Reise dauert länger, aber der Weg ist das Ziel! Ich genieße es, zu verfolgen, wie sich Landschaften, Architektur, Wetter, Kultur, Sprache usw. unterwegs verändern und ich halte es für bedeutsam, auch in der Erkenntnis, welche Dimensionen die Welt hat, daß wir uns dieser Langsamkeit aussetzen und die Entfernungen tatsächlich erfahren (im Wortsinne). Fliegen hat uns um einen Großteil der Ehrfurcht für diesen Planeten beraubt. Es bedient geläufige Allmachts-Phantasien, die den Menschen aus dem Ökosystem Erde herausnehmen. Wir sollten uns ein Stück weit wieder eine demütige Haltung erarbeiten.. auch durch Reisen.
    Schön, daß Sie in Ihrer Firma sich bereits ein Stück dahin auf den Weg gemacht haben.
    Freundliche Grüße!
    Bernd

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