„Weit fortzugehen heißt zurückkehren.“
Laotse

Zur Mongolei habe ich eine besondere Beziehung. Wenn ich da ein Ger, also ein Nomandenzelt betrete, fühle ich mich überhaupt nicht fremd. Zwar muss man ein paar Regeln beachten: Man darf nicht auf, sondern soll über die Schwelle treten. Man soll aufpassen, dass man sich am niedrigen Eingang des Gers nicht den Kopf stößt, und beim Hinsetzen sollen die Fußspitzen nicht Richtung Ofen zeigen. Andernfalls droht unseren Gastgebern Unglück! Aber ansonsten kommt es mir vor wie bei uns am Land. So: “Griaß di, setz di her, magst an Schnaps (= Vodka)? Oder besser: mehrere Schnapseln?” In den Jurten, die in Zonen eingeteilt sind, wohnen und schlafen sechs, sieben, acht Menschen. Die Gäste bekommen eigene Jurten.

Zum Eindrücklichsten an der Mongolei gehört die Landschaft und wie dünn dieses riesige Land besiedelt ist. Mit drei Millionen EinwohnerInnen auf 1,5 Millionen Quadratkilometern – das ist fast viereinhalb Mal so groß wie Deutschland – ist es nach Grönland der am dünnsten bevölkerte Staat der Welt. Es gibt kaum nennenswerte Straßen, man fährt einmal 500 Meter da, dann wird es morastig, dann fährt man ein Stück weiter drüben… Da tun sich Weiten auf, ein riesiger Himmel, Stille. Kilometerweite Wildblumenwiesen, die Unendlichkeit der Grassteppe. Dieses Land hat mein Herz behalten!

Im Westen der Mongolei kann man im Gobi-Altai-Nationalpark wandern und den 4.051 Meter hohen Malchin erklimmen. Durch die Wüste Gobi begleiten uns die Farben Blau, Grün und Ockergelb: das Blau der Wolken und hoch gelegenen Seen, das Grün der Steppen und das Ockergelb der größten Sanddünen dieses riesigen Landes. Wunderschön campen lässt es sich am Uvs Nuur, dem größten See der Mongolei, der sowohl Vogelparadies als auch UNESCO-Weltnaturerbe ist.

Faszinierend ist für mich auch das hiesige Nomadentum – nämlich im Vergleich zu Nomaden in anderen Ländern. Fast überall sonst zählen diese zu den verarmten, an den Rand gedrängten Minderheiten. In der Mongolei dagegen sind das die stolzen Bürgermeister-Typen, mit dickem Bauch und Yamaha-Maschine, oft wohlhabende Menschen, die die Bevölkerungsmehrheit stellen und dem Land nach wie vor ihren Stempel aufdrücken. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Reiterfestspiele “Nadam” in der Westmongolei: eine Almwiese voller Pferde, davor die Wettkämpfer in ihren blinkenden Nietenstiefeln. Unter hunderten Menschen waren wir die einzigen westlichen Besucher und wurden gleich als Ehrengäste auf die Tribüne geholt. In diese Gegend kommen fast keine ausländischen Gäste; wenn einmal welche kommen, sind sie den Menschen daher oft willkommene Abwechslung.

Die Frauen spielen in dieser Kultur eine starke Rolle. Unsere Reiseleiterin Ottgo erzählte mir mal in einem Gespräch, daß die Männer viel mehr Probleme mit den neuen Zeiten haben, und daß bei der Bildung die Frauen ihnen weit davon ziehen. Aber das ist ja kein spezifisch mongolisches Phänomen. Wir hatten auch drei Jahre lang junge Frauen aus der Mongolei als Au Pairs in unserer Familie. Gerle, Jaggi und Irmuunzaya. Bis heute halten wir losen Kontakt. Von den Traditionen und dem alten Wissen der Nomaden sind die jungen Frauen freilich schon recht weit entfernt, sie stammen aus der Hauptstadt Ulaanbaatar.

Beste Reisezeit: Die Sommermonate Juni bis September
Beste Wanderung: Zu den Nomaden der Westmongolei, durch die abwechslungsreiche Landschaft des Altai mit Seen, Gletschern und vielen Nomadensiedlungen
Besonderheiten? Die Begegnungen mit den stolzen, aber sehr gastfreundlichen Nomadenfamilien unterwegs.
Literatur & Film: Die Mongolei-Führer vom Verlag „Reise Know How“ und „Trescher“ finde ich beide gut.„Im Land der zornigen Winde“ von Amelie Schenk und Galsan Tschinag, „Das geraubte Kind“, „Der weiße Berg“ und weitere Romane von Galsan Tschinag. Filme: Die Geschichte vom weinenden Kamel, Die höhle des gelben Hundes
Aufpassen: Dieses große Land ohne Straßen bedeutet beim herumreisen zwischendurch schon sehr holprige Strecken.
Geheimtipp: Obertongesänge hören, die Nomadenfestspiele zu Nadam

Reiseinfos: https://www.weltweitwandern.at/asien/mongolei/


 

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