Der Wissenschaftler Thomas Bauer beschreibt in seinem aktuellen, sehr lesenswerten Buch „Die Vereindeutigung der Welt“ den weltweit starken Verlust der Arten-Vielfalt in der Natur, aber auch eine enorme Verringerung der Vielfalt an Kulturen, Sprachen und Lebensweisen auf unserem Planeten.
Am westlichen Supermarktregal erleben wir zwar subjektiv eine immer riesigere Auswahl, die Vielfalt auf unserer Erde und damit auch der Nahrungsmittel nimmt jedoch aktuell leider stark ab.

Was kann man dagegen unternehmen?
Hier mein Versuch einer Betrachtung des Themas:

Einsetzen für mehr „Ambiguität“!

Mit dem im Deutschen leider selten verwendeten Wort „Ambiguität“ (Mehrdeutigkeit, Vielschichtigkeit, Uneindeutigkeit, etc.) kann man dem Phänomen besser nahe kommen. Es bedarf – meiner Meinung nach – nämlich dringend einer aktiven Förderung der Ambiguität. Einem Zulassen gegensätzlicher Zugänge, sich widersprechender Meinungen und verschiedenster Arten zu leben. Ein aktives Erhalten von „wirtschaftlich wertloser“ Natur mit all ihrer Artenvielfalt.

Auch in uns selbst müssen wir viel mehr Ambiguität zulassen, denn wir kippen oft in einseitige Extreme:
Die Aussage „Der Klimawandel und unsere westliche Lebensweise bedrohen unseren Planeten – das Ende der Welt kommt auf uns zu, wenn wir so weitermachen.“ stimmt genauso, wie die Sichtweise „Es ist noch nie so vielen Menschen auf der Erde so gut gegangen, wie heute: Wir leben in einem goldenen Zeitalter!“

Beides ist wahr.
Ambiguität ist aber keinesfalls „Beliebigkeit“, das Zulassen von Ambiguität soll auch gar nicht in Hoffnungslosigkeit oder Passivität münden. Verschiedene Meinungen – auch höchst widersprüchliche  – müssen für sich Raum und Gewicht bekommen und auch mit einer großen Energie vertreten werden. Wichtig ist es nur wahrzunehmen, dass es immer unterschiedlichste Zugänge, Betrachtungsweisen und auch sich widersprechende Lösungsansätze zu Themen gibt.
Auch Licht ist ja zugleich  Welle und Teilchen. Beides ist richtig und dennoch widersprüchlich

Soll man überhaupt Reisen in arme Länder unternehmen?

„Soll man überhaupt Reisen in arme Länder unternehmen?“ ist eine Frage, die sich viele stellen und die auch mir häufig gestellt wird. Auch hier ist die Antwort – und auch das Erleben auf einer Reise äußerst vielschichtig – wieder ist man bei der Ambiguität!

Hier der Versuch meiner Antwort:
Reisen in ärmere Länder finde ich enorm wertvoll, um die Vielfalt auf unserer Erde kennen zulernen und um eigene Wertmaßstäbe zu hinterfragen. Auf einer Reise nach Nepal zum Beispiel treffe ich immer viel öfters auf fröhliche, offene und hilfsbereite Menschen, als bei uns im Westen. Materielle Armut bedeutet ja nicht gleichzeitig Unglück! Das Bild vor Ort ist ja zudem niemals einheitlich: Auch in armen Ländern gibt es reiche Menschen, in Teilen von Kerala / Südindien wähnt man sich in einem tropischen westlichen Paradies mit viel sichtbarem Wohlstand.

Auch die Kultur in wirtschaftlich ärmeren Ländern ist sehr oft vielschichtiger und „reichhaltiger“ als bei uns. Erstaunliche Naturjuwele warten dort noch entdeckt zu werden. Unmittelbar neben umweltverseuchten Industrieregionen findet man zum Beispiel in Rumänien artenreichste Urwälder.
Wirtschaftliche und politische Zusammenhänge  – und auch Ungerechtigkeiten – auf unserer Erde werden mir durch Reisen viel klarer, als durch die häufig sehr gefilterten Medienberichte.
„Wo sind jetzt eigentlich die Bösen?“ –  habe ich mich auf meinen vielen Reisen durch China und Tibet, in den Iran und auch ganz besonders durch Israel und Palästina gefragt. Ich hatte klare Feindbilder im Kopf und traf dann unterwegs so viele gastfreundliche Menschen und verbrachte magische Stunden in wunderschönen Landschaften mit großartigen Menschen.
Auch die Rolle von Europa und der westlichen Welt, deren Vertreter Südamerika und Afrika in der Kolonialzeit unterjocht und räuberisch ausgeplündert haben und wir alle im Westen bis heute von billigen Rohstoff- und Ressourcen profitieren erschließt sich durch Reisen.
Aber man erlebt und sieht  dann auch die vielen großartigen Errungenschaften und Erfindungen des Westens, die weltweit das Leben so vieler Menschen bereichern und auf die ich als „Europäer“ durchaus auch stolz bin.
Wieder erlebe ich da Ambiguität und niemals „Schwarz-Weiß“.
Unsere Welt ist zugleich zauberhaft, wunderschön – und schrecklich.

Wofür ich mich aber mit großer Überzeugung persönlich einsetze:
Ich bin dagegen ein Leben mit „Scheuklappen“ zu leben. Sich in unserer bequemen weltlichen Konsumwelt einzuigeln und alle Dinge, die „da draußen in der anderen Welt passieren“ zu verdrängen.
Reisen – und natürlich dazu ergänzend qualitätsvolle Medienberichte und Bücher (mit möglichst viel Ambiguität) – bieten die Chance unsere Welt so kennenzulernen und zu erforschen, wie sie ist! In ihrer ganzen widersprüchlichen, uneindeutigen Vielfalt

Gute Reisen bieten für mich eine unschätzbar wertvolle Möglichkeit, um die kostbare Vielfalt auf unserer Erde kennen – und wertschätzen zu lernen. Gleichzeitig verursacht das Reisen – vor allem die Fluganreise – viele klimaschädliche Gase.
Also sollten wir sehr achtsam mit dieser wertvollen Ressource umgehen! Für mich ein weiteres Beispiel für „Ambiguität“.

Unser Marokko-Partner Lahoucine besucht auf Einladung von Weltweitwandern den tibetischen Himalaya.

Möglichkeiten und Räume für Menschen durch unser Tun

Ich selbst bin leidenschaftlicher Unternehmer und überzeugter Europäer. Ich liebe es Konzepte im Geist zu machen, dann daraus Projekte zu entwickeln und in einem tollen Team in die Praxis umzusetzen. Das ist auch eine große Stärke meiner westlichen Erziehung und ich finde dafür hier in Österreich/Europa/im Westen ein extrem unterstützendes Umfeld vor.
Es ist wunderschön für mich, wenn durch Weltweitwandern Möglichkeiten und Räume für möglichst viele Menschen entstehen:

  • wenn unsere Gäste durch unsere Reisen zu Lebensveränderungen oder Projekten inspiriert werden,
  • wenn es unseren Partnern und Guides in Marokko und anderswo menschlich und wirtschaftlich gut geht,
  • wenn Mitarbeitende sich fachlich und persönlich wunderbar entwickeln,
  • wenn die Schulkindern unserer Bildungsprojekte in Nepal und Marokko zu selbstbewussten Menschen mit Stolz auf die eigene Kultur aufwachsen
  • wenn wir dazu beitragen, dass Natur als kostbar wahrgenommen und geschützt wird
Das Weltweitwandern-Partnertreffen 2017: 30 Partner aus 20 Nationen diskutieren friedlich miteinander über die Zukunft des nachhaltigen Tourismus

Überlebensnotwenige Vielfalt

Eine möglichst große und gesunde Vielfalt an Kulturen und in der Natur auf unserem Planeten halte ich für überlebensnotwendig!
Eine „Monokultur“ ist immer extrem anfällig und wird möglicherweise durch ein einziges Ereignis / einen Umwelteinfluß aus der Bahn geworfen.

Es braucht dafür aber unbedingt Spielregeln, die für alle gelten.
Eine Forderung nach Vielfalt steht auch in keinem Zusammenhang mit unkontrollierter Offenheit und Zuwanderung.

Für mich ist ethisches Handeln  – vor allem auch in der Wirtschaft – eine Einstellung, die auf Humanität, Solidarität und Eigenverantwortung beruht. Es geht dabei ganz nüchtern betrachtet einfach um Fairness: Unser Handeln soll nicht andere Menschen oder auch zukünftige Generationen auf der Erde in ihren eigenen Möglichkeiten beeinträchtigen.
Aber es sollen auch nicht alle Menschen und Kulturen nach dem westlichen Modell in einer westlichen „Monokultur“ immer gleichgeschalteter werden. Das halte ich für sehr gefährlich!

Es braucht daher unbedingt auch „Andersdenkende“, andere Arten Dinge zu betrachten und das Leben zu gestalten!

Reise trägt dazu bei das zu entdecken – und hoffentlich auch diese wertvolle Vielfalt zu erhalten!
Das ist mein großes Anliegen!

Über Rückmeldungen, Anregungen und „ambige“ Gegenstimmen freue ich mich sehr!

Ihr nachdenklicher Christian Hlade


 

 

 

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