Meine nicht nur positiven Erfahrungen mit Integration

Wir von Weltweitwandern haben ja extrem viel Erfahrung in der Organisation von Begegnungen unterschiedlicher Menschen und Kulturen!

  • Unsere Reiseprogramme beinhalten sehr oft Elemente von Begegnung, Diskussion und „gemeinsam etwas tun“ –  um Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenzubringen.
  • Wir haben schon weit über 100 Guides und Partner zu Workshops und teils mehrmonatigen Kulturaustausch – Projekten nach Österreich und Deutschland eingeladen. Von all diesen Guides und Partnern wollte KEIN einziger hierbleiben und alle arbeiten weiter in ihren Heimatländern. Sie haben ja durch ihre gute Sprachqualifikation alle eine gute Arbeitsmöglichkeit in ihren Heimatländern.
  • Was mich auch oft verblüfft, ist die Schnelligkeit mit der häufig bei unseren guides der Erwerb der deutschen Sprache und von Fähigkeiten für Kulturbegegnung passiert. Nach oft nur einem halben Jahr mit wenigen Kursen und viel Selbststudium, persönlichem Engagement  und Üben können viele marokkanische Guides unsere Gruppen leidlich und schon mit viel Hintergrundwissen über die Gewohnheiten der Gäste auf Deutsch führen. Nach einem Jahr sind die Jungs oft wirklich gut in der deutschen Sprache.
  • Sehr positive Erfahrungen kann ich auch von unserem Engagement in Ladakh im entlegenen Bergdorf Lingshed berichten. Entgegen der Befürchtung von vielen kritischen Stimmen, führte die intensive Dorfpartnerschaft mit uns Westlern – inkl. der erfolgreichen Einführung einer funktionierenden Dorfschule samt Stipendien für weiterführende Ausbildungen und Studienplätzen nicht zu einer großen Landflucht. Im Gegenteil: Viele der Studenten sind nach ihrer Ausbildung zurückgekehrt uns sind heute sehr engagierte LehrerInnen in der Region, oder haben andere Jobs vor Ort gefunden. Sehr viele sind aber nun einfach auch gut gebildete Bauern!

Meine nicht nur positiven Erfahrungen mit Integration

Meine – nicht nur ausschließlich positiven  – Erfahrungen aktuell mit der Flüchtlingsfamilie, die wir in der Weltweitwandern Gästewohnung aufgenommen haben, möchte ich hier produktiv einfließen lassen…

  • Der Mann der Familie kann nach 7 Monaten, dem Besuch eines Deutschkurses und Internetzugang  für online- Sprachstudium in Österreich leider noch immer fast kein Deutsch!
  • Die beiden Erwachsenen verbringen täglich Stunden mit ihren Smartphones und leben in Gedanken eher in Syrien, als sich um eine Eingliederung, Spracherwerb und Erwerb von Fähigkeiten hier in Österreich zu kümmern.
  • Gemeinsame Verabredungen und Termine werden leider sehr häufig gar nicht eingehalten!
  • Die in Syrien üblichen Wohngewohnheiten ruinieren durch zu viel Feuchtigkeit beim Kochen und Duschen  – kombiniert mit völligem Verzicht auf Lüften  – jede moderne Wohnung in Österreich.
  • Die Familie wohnt bei uns kostenlos, zeigte aber monatelang gar keine Eigeninitiative ein wenig mitzuhelfen. Sie verwenden zwar gerne unseren Garten, schauen uns aber beim Rasenmähen, Blumengießen und Unkrautjäten zu…

Mein Fazit:

  • Kulturaustausch und Integration bedarf auch einer Konfrontation, einer aktiven Auseinandersetzung, auch produktives Diskutieren und sogar (respektvolles) Streiten!
  • Integration braucht auch Regeln, Ziele und Forderungen von Seiten der Gastgeber.
  • Dinge, die in unserer Kultur selbstverständlich sind (lüften, zu vereinbarten Terminen auch wirklich zu kommen, usw) sind nicht selbstverständlich und müssen geduldig  – aber auch mit einer entsprechenden Auseinandersetzung eingefordert / geübt werden.
  • Menschen, die eine klare Aufgabe und ein Ziel haben (z.B. unsere Guides) , können sich unglaublich schnell in einer anderen Kultur und Sprache zurechtfinden.
  • Viele Flüchtklinge haben völlig falsche und überzogene  Erwartungen vom „goldenen Westen“ – ähnlich aber ev. noch extremer wie die „Ossis“ oder andere BewohnerInnen kommunistischer Staaten nach der Wende 1990.
  • Dieses falsche und letztlich passiv machende „Anspruchdenken“ müssen wir den neuen Mitmenschen aktiv abgewöhnen und ihnen klar machen, daß man bei uns Sprachkompetenz, eine Ausbildung und vor allem harte Erwerbsarbeit braucht um zu überleben.
  • Das Aufwachsen in Diktaturen hat diese Menschen sehr passiv erzogen. Eigeninitiative ist wenig vorhanden.
  • Natürlich gibt es viele seelische Wunden des Krieges und des Verlustes der Heimat, das ist keine Dauerentschuldigung – aber ein Umstand der uns zu mehr Geduld anregen sollte.
  • WICHTIG: Auch wenn man selbst liberal und „multikulti“ eingestellt ist, muss es erlaubt sein Kritik an dem Verhalten mancher Asylwerber zu üben und Bedenken zu äußern – und auch Forderungen an die neuen Zuwanderer zu stellen.
  • Wir dürfen / sollen nicht unsere „Bedenken gegenüber dem Verhalten mancher Zuwanderer“ nur den Rechtspopulisten überlassen, eine offene produktive Diskussion finde ich wertvoll.

Meine Lösung:

Auseinandersetzung, Gespräche, falsche Vorstellungen vom „Westen als  Schlaraffenland“ aktiv abbauen, Regeln einführen, Forderungen stellen, Mitarbeitspläne geben, Wohnungen kontrollieren und respektvoll aber klar Verhaltenshinweise und Regeln für Wohnungsbenützung und Mitarbeit aufstellen. Immer wieder das Deutsch-lernen einfordern.
Eine produktive öffentliche Diskussion über das Thema.

Ich muß offen zugeben: Ich hätte mir das alles schon viel leichter vorgestellt!

Aber das ist eine der neuen Herausforderungen unserer globalisierten Welt: Niemand soll behaupten, dass diese einfach sind. ABER: Wir müssen uns nun diesen Aufgaben stellen, weil die Flüchtlinge sind da, Kriege existieren und die Ungleichheit auf der Welt führt zu Wanderbewegungen – immer schon! Es ist meiner Ansicht nach keinesfalls eine Lösung die jetzige Situation zu negieren, sich die Flüchtlinge wegzuwünschen und den Kopf in den Sand zu stecken.

Aber es bedarf möglicherweise NOCH VIEL MEHR an Engagement, aktives Zugehen  – aber auch Forderungen an die Flüchtlinge zu stellen.

Lasst uns aktiv, produktiv und positiv in die Zukunft schauen. Das Thema ist lösbar, aber weder durch Rechtspopulismus, noch durch eine unrealistisch-rosarote Brille- auch nicht durch wegschauen und / oder Katzenjammer.

Gehen wir es an!

Weltweitwandern hat da auf alle Fälle viele Erfahrungen, Know How und guten Willen  – aber auch Realismus bei diesem Thema beizutragen!

Ich wäre gespannt auf produktive Rückmeldungen von euch zu diesem Thema.
Bitte aber keine Hass – oder rassistische Meldungen, das ist jetzt nicht hilfreich.
Ich bin auf alle Fälle der Meinung es braucht eine sehr offene, aber auch tabulose Diskussion zu diesem Thema, damit wir da weiterkommen!

Lg Christian

Über Christian Hlade

Geb. 1964, Dipl.-Ing. Architektur, Gründer & Leiter von Weltweitwandern, verheiratet, 3 Kinder. Mein Lebensmotto: Ich will nie in einem "Job" arbeiten und ich will nie "in Pension gehen". Ich will jene Dinge tun, die mir und anderen Menschen Freude bereiten und dadurch meinen Lebensunterhalt ermöglichen. Mit "Weltweitwandern" ist mir das bislang sehr gut gelungen! Die Weltweitwandern Vision: Bewegende Begegnungen. Zwischen Menschen und Kulturen. Mit der Natur und mit Dir selbst. Persönlich. Achtsam. Eigenständig. Weltweitwandern, gegründet 2000, ist Österreichs führender Reiseveranstalter für weltweite Wanderreisen. 15 MitarbeiterInnen im Büro in Graz und weltweit über 600 Menschen im Team als FührerInnen, KöchInnen, PartnerInnen. Pro Jahr 3500 KundInnen in 700 Reisegruppen in über 80 Länder. Die wichtigsten Regionen von WWW: Marokko, Ladakh & Indien, Nepal & Tibet, Madeira, Spanien, Georgien & Armenien, Rumänien, Kuba, Peru, Tansania, Mongolei.
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7 Antworten auf Meine nicht nur positiven Erfahrungen mit Integration

  1. Ulla Weber sagt:

    BITTE diesen Artikel unbedingt auch unserem Aussenminister Sebastian Kurz zukommen lassen! Ich bin mir sicher, ihr würdet vieles gemeinsam erreichen, da ihr „auf der gleichen Wellenlänge“ im Bezug auf Flüchtlinge und Integration seid! Ich werde den Artikel auf jeden Fall auf meinem fb-seite posten! Gehört WELTWEIT veröffentlicht! :-)

  2. Harald Friedl sagt:

    Lieber Christian,

    ich danke Dir für die Schilderung Deiner Erfahrungen, Deine scharfsinnige, ehrliche und vorausschauende Analyse – und für Deine logischen Schlussfolgerungen. Du hast die Dinge auf den Punkt gebracht: Integration ist immer eine Gegenseitigkeit. Unsere Verantwortung als „Insider“ ist es, die „Reinkommenden“ entsprechend zu informieren und Grenzen zu setzen. Wie sonst sollen diese Menschen lernen unser Lebens- und Kultursystem zu verstehen. Sie sind nicht hergekommen, um Urlaub zu machen, sondern um eine Lebenschance zu erhalten. Nützen müssen sie diese selbst. Doch wie sie das tun können, können sie nicht wissen.

    Wir von der FH JOANNEUM nehmen diese Verantwortung ernst: durch aktive Unterstützung der Asylwerber einerseits, aber auch unserer Studierenden andererseits, unseren zukünftigen Gesellschaftsgestalter, damit all diese die nötigen Lebensbewältigungskompetenzen aufbauen können. Dies tun wir, indem wir ermutigen, aber auch aktive Grenzen setzen, damit die Menschen daran eigenständig lernen und wachsen können.

    Was ich heute – als Teil der Gesellschaft, als Touristiker, Lehrer und als Familienvater weiß, verdanke ich meinen zahlreichen Weggefährten, die mir in all den Jahren auf verschiedene Weise Widerstand geleistet und mir damals das Leben schwer gemacht haben. Durch sie habe ich am meisten gelernt. Andere Weggefährten wiederum hatten mich ermutigt meinen Weg weiter zu gehen, weiter zu lernen, mich weiter zu entwickeln. Heute ist es an uns Weggefährte der jungen Menschen wie auch der zu uns kommenden Asylwerber zu sein.

    Herzlichst, Harald A. Friedl

  3. Walburga Pieber sagt:

    Liebe Weltweitwanderer!
    Habe jetzt wirklich mit Spannung diese Zeilen gelesen und möchte auch meine Erfahrung als ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin einbringen!
    Ja, es ist schwierig, ja, es ist sogar hart, sehr hart. Unseren Weg kennen wir, wir wissen auch so ca. was wir von den Flüchtlingen wollen, wir Österreicher und Ansprechpartner und Integrationshelfer!
    Aber da begegnen uns Menschen aus einer völlig anderen Kultur, aus dem Krieg, mit großen Verlusten, Heimat, Familie, Stadt, ihr Leben, die letzten Taschen noch bei der Überfahrt in das Meer geworfen , damit sie überleben…..! Und sie suchen nichts als den Kontakt zu ihren Lieben, mit Handy, manche suchen ihre Lieben schon seit 3 Jahren….!
    Die Deutschkurse zu besuchen fordern wir mittlerweile sehr hart ein, es gibt nur ausnahmsweise ein Fernbleiben bei zwingenden Gründen und das nur 3 Mal beim ganzen Kurs! Ehrenamtliche arbeiten für sie, das muss geachtet und gewürdigt werden. Und Deutsch ist ihr Werkzeug, ihre Arbeit! Nur, manche können nach einem Jahr noch keinen Satz sprechen, aus mehreren Gründen, andere sprechend fließend unsere Sprachen. So scheint es, aber wenn es dann wirklich um Details geht, wie Medikamente…Busfahrplan …usw. ist es bald vorbei mit dem Verstehen! Andere fangen mühsam mit dem Alphabet an ,weil sie in ihrer Heimat nie eine Schule besucht haben aber perfekte Schuhmacher oder Tischler sind und ihre Arbeit einfach wie früher bei uns beim Mitgehen zur Arbeit gelernt haben. Welch eine Welt begegnet uns da!
    Auch das Arbeiten ist für manche sehr schwierig, weil sie zum Beispiele noch nie ein Gartenwerkzeug in Händen hatten, die Blumen samt dem Topf einsetzen….weil sie Gärtner angestellt hatten. Andere wieder freuen sich über jeden Handgriff den sie machen dürfen. Aber, man muss Pünktlichkeit, Ordnung in den Wohnungen einfordern, das ist auch unsere Erfahrung. Jetzt sind meine ersten „Flüchtlingsfreunde“ in Wien, lernen viel weniger Deutsch, weil sie keine Ansprechpartner in Deutsch haben, zwei Familien sind nachgekommen und es fängt das neue Leben mit der Familie an und da hören und staunen wir nur so, was es alles an Sitten und Regeln mit den Frauen gibt, wovon wir alle keine Ahnung haben. Wir werden alle einen langen Atem brauchen und letztlich hoffe ich und auch alle meine Flüchtlingsfreunde dass sie wieder mit ihrer noch vorhandenen Familie vereint sind! Und das ist der Traum vieler, in ihrer Heimat!

  4. Stefanie Brandtner sagt:

    Lieber Christian Hlade,

    das ist ein ganz toller Bericht und dem kann ich nur Zustimmen.

    Liebe Grüße
    Stefanie

  5. Daniel sagt:

    Lieber Christian

    Deine Erfahrungen decken sich mit denen von Vielen und auch solchen, die ich selbst machen durfte. Ich bin als freiwilliger Flüchtlingshelfer und Koordinator von Betreuungsaufgaben in der Schweizer Gemeinde Grabs aktiv.

    Neben dem Verständnis gegenüber der anderen Kulturen, Geschichten und Erfahrungen der Menschen, ist wirklich auch ein gutes Mass an Erwartungshaltung und Konsequenz notwendig. Oft merke ich, dass die Leute dies nicht nur brauchen sondern auch erwarten. Auch dies ist wohl ihrem politisch-sozialen Hintergrund zuzuschreiben. Die Leute wurden vielfach zeitlebens entmündigt und dirigiert .

    Klare Tagesstrukturen, möglichst sinnvolle Beschäftigung und die Erwartung, dass Aufgaben ordentlich erledigt werden, hilft den Menschen. Es qualifiziert die Leute und sie können sich beweisen. Leider ist es sehr schwer gute Arbeit zu finden, welche das lokale Gewerbe nicht konkurriert. Wir bieten neben obligatorischen Aufgaben wie Zügeltransorte für die Gemeinde, Putzaktionen oder Räumungsarbeiten auch freiwillige „Goodies“ an. Diese kann man dann besuchen, wenn die Deutschkurse regelmässig besucht und obligatorische Arbeiten oder Amtsgänge etc. gut ausgeführt werden. Gerne gehen die Leute beispielsweise zum Backen, Sporttraining oder Gärtnern. Oder ein Velo gibt es dann, wenn die Flüchtlinge dieses zusammen mit einem pensionierten Mechaniker selbst in Stand setzen und einen Teil der Kosten dafür übernehmen. Es wäre schön, wenn noch mehr Leute kreative Ideen hätten oder Vereine die Flüchtlinge einbeziehen, aber da ist noch viel Skepsis und es braucht regelmässig persönliche Gespräche um Freiwillige zu finden.

    Zentral sind die Flüchtlingsbetreuer. Jede Person oder Familie bekommt eine persönliche Begleitung, welche die ersten Wochen und Monate die Flüchtlinge besucht, anweist und auf Behörden oder zum Arzt begleitet. Hier braucht es verständnisvolle aber eben auch konsequente BetreuerInnen, die klar machen, was Sache ist, wichtige Erwartungen einfordert und die Menschen zur Ordnung, Pflicht und – in der Schweiz sehr wichtig – zur Pünktlichkeit anhält ;-)
    Diese freiwilligen Betreuer brauchen selbst Unterstützung und Ausbildung, damit sie die Menschen besser verstehen und mit den anderen Gewohnheiten und Haltungen umgehen können.

    Eine tolle Sache ist bspw. auch die „Kulturschule“ in Thun. Hier werden freiwillige Kurse in den Bereichen Leben, Wohnen und Arbeiten in der Schweiz angeboten. Die Flüchtlinge können diese Kurse besuchen und lernen dann z.B. weshalb und wie man bei uns den Abfall entsorgt oder warum man einander (auch Frauen und Männder) die Hände reicht und sich in die Augen schaut. Wer die Kurse erfolgreich besucht (es gibt Anwesenheits- und Lernkontrolle wie auch einen kleinen Kostenbeitrag), bekommt am Ende ein Diplom. Dieses hat mittlerweile bei Ämtern und Arbeitgebern einiges Gewicht. (www-kultur-schule.ch)

    Es ist wirklich anspruchsvoll und mitunter frustrierend. Aber auch sehr bereichernd! Ich denke es braucht derzeit eine professionelle Organisation und Führung und entsprechend auch Mittel anderfalls laufen wir Gefahr viel Goodwill und Bereitschaft zu verlieren. Das wird uns einiges kosten, aber wir können ja dafür weiter von billigem Öl profitieren :-//

    Liebe Grüsse, viel Elan, Kraft, Verständnis aber auch …
    ach Ihr wisst ja schon!

    Daniel

  6. Lieber Christian Hlade!
    Danke für deinen Bericht und deine offene Einschätzung. Wir sind eine lokale Gruppe von Menschen, die sich im vergangenen Jahr gefunden hat, um in jeder möglichen Form die ankommenden/durchziehenden Menschen zu unterstützen. Daraus wurde der Einsatz für Unterbringungsmöglichkeiten im Ort und später die Begleitung der Menschen in den unterschiedlichen Häusern, durch Kleider- und Spielzeugspenden, Arzt-, Behörden und Tafelfahrten, Schul- und Kindergartenbetreeung, Integration bei Festivitäten, Unterstützung bei der Arbeitssuche, viele ehrenamtliche Deutschkurse, gemeinsame ……….
    Vielleicht ist, als das Lebensnotwenidige nicht mehr möglich war, weil die Menschen nicht mehr ankommen/durchziehen konnten, hier und da zuviel passiert. Es war/ist ein Füllhorn an Mitgefühl in Form von Dingen, Leistungen und Draumatisierungs-lösungsprojekten über die Menschen gestülpt worden. Einige nützen das für sich, nehmen dankbar an und interessieren sich auch für die Menschen mit denen sie nun leben, andere tun das nicht, haben auch kein Interesse daran. Die erlaubten Arbeiten sind sehr gering. Wer zumindest für einige Wochen bei der Gemeinde mitarbeiten darf, wird von den anderen BewohnerInnen beneidet. Der Zuverdienst bringt Unruhe.
    Das ist eine neue wichtige Phase, die sehr schwierig ist, bei einigen dazu führt, dass ihre Einstellung zu den „undankbaren Flüchtlingen“ und den „unfairen Gutmenschen, die denen alles hinten hineinschieben“ relativ rasch anwächst, weil viele bisher positive oder zumindest neutral eingestellte Menschen sich die Frage stellen, warum für diese Menschen das Lebene ein Wunschkonzert ist, für die meisten, die nicht auf der Flucht ins Land gekommen sind, aber nicht.
    Das ist eine Situation, die wir einfangen müssen und Regeln für das Miteinander entwickeln.
    Dabei fast übersehen wird, dass immer mehr Menschen einen negativen Bescheid bekommen und in ihr voriges Herkunftsland (Ungarn, Slowenien, viele derzeit Kroatien, …) zurückgewiesen werden sollen. Eine Situation auf die wir nicht so viel Einfluss zu haben scheinen, aber die auch nicht einfach hingenommen werden kann/soll, schon gar nicht, wenn man sich Menschen vertraut gemacht hat.
    Mich persönlich bewegt aber auch ein Punkt. Ich sehe die Menschen, die hier ankommen konnten, als relativ sicher versorgt (so lange sie nicht weggeschickt werden). Mich beunruhigt aber nach wie vor das Schicksal der vielen Menschen, die unterwegs und in Todesgefahr sind, die nichts zum Essen haben und auch keine Zukunft aufbauen können. Um sie ist es sehr ruhig geworden.
    Meine Idee ist, mit Menschen vor Ort (neue und alte GemeindebewohnerInnen) auf Spendenbasis Geld zu sammeln (durch unterschiedliche Tätigkeiten) und dieses Geld für die Unterstützung zum Überleben oder zum Existenzaufbau von Menschen zu verwenden. Bisher habe ich aber den rechtlichen Dschungel noch nicht im Griff, aber viele, viele Ansatzpunkte wo man unterstützen könnte.

  7. Karin Klug sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Beitrag, der endlich einmal ausgewogen verschiedene Aspekte und auch die Komplexität der Situation beleuchtet (abseits quälender schwarz-weiß Ideologien) und damit eine konstruktive Diskussion ermöglicht…. es sind wertvolle Anregungen, die ich mir daraus mitnehme. Nochmals Danke für diesen mutmachenden Bericht !

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